Sonntag, 16. November 2014

xoxo #1 Fernweh

Fernweh
Wieso identifizeren wir uns so oft mit diesem Wort?
Warum sehnen wir uns nach dem Unbekannten, nach Distanz von der Regularität?
Warum wünschen wir uns an ferne Orte,
Wieso vermissen wir etwas, das wir nicht kennen?

Reisen ist eine wunderbare Sache, wenn auch paradox. Manchmal fühlt es sich für mich komisch an, einen fremden Ort zu besichtigen, dort zu wohnen, die Straße genauso wie die Einheimischen herunterlaufen, aber dennoch mein Zuhause weit weg zu haben. Irgendwie sehe ich nicht meine Stadt oder gar das Land, in dem ich Lebe als mein Heim an, ich empfinde mich als nichts spezifischeres als ein Erdbewohner.


Und trotzdem schwindet all das Unbehagen, wenn ich
zuhause, in meinem Zimmer, ankomme.Doch zurück zum Thema.
Ich bin mit meinen zarten Jahren relativ viel herumgekommen, ich bin zwar keineswegs eine Weltreisende und kam bis jetzt noch nicht einmal aus Europa hinaus, dafür habe innerhalb unseres Kontinentes schon eine Menge großer Städte gesehen, gefühlt.

Reisen ist eine interessante Erfahrung, die mir allerdings nicht immer gefällt. Ich persönlich bin einfach nicht der Mensch, der Spaß daran hat, alle relevanten Kirchen und Museen zu besichtigen, und dann das Gefühl hat, die Stadt verstanden zu haben.

Ich bin so ein Mensch, der sich gerne in ein Café in der Fußgängerzone setzt, die Menschen beobachtet, den Fluss der Stadt wahrnimmt und einfach das ganze Leben dort ein wenig einhaucht, es hautnah erlebt.

Ich habe gemerkt, dass die Erfahrung, die man mit einer Stadt sammelt, sehr viel damit zu tun hat, mit welchem Menschen man sie teilt.

Vor kurzem besuchte ich unsere Hauptstadt mit meiner besten Freundin. Als jemand, der keine Berlinjungfrau ist, war ich etwas voreingenommen, mein letzter Besuch war nicht schrecklich, aber ebenso nicht wunderschön.
Aber dieses Mal lernte ich mit ihr die Stadt von einer komplett anderen Seite kennen.
Es imponierte mir, den Musikern am Mauerpark zuzuhören, die interessant aussehenden Leute zu beobachten oder einfach nur über den wunderschönen Flohmarkt streifen.
Ich adorierte unseren Besuch im Garten des wiedergewonnen Mondes und den Qi Xian Nue Tee, den ich dort trank, mit seiner süßlich-warmen, holzigen Duftnote, ein bisschen wie ein frischer, blumiger Frühlingstag.
Ich fand es toll, den Kudamm herunterzulaufen, mit Securityguards vor Nobelgeschäften über ihre Arbeit sprechen, im KaDeWe durch das Chanelmodegeschäft laufen und mich so schrecklich fehl am Platz fühlen.
Mir gefiel es, dass an der Mauer, wo früher Hass, Angst und Trauer aufeinandertrafen, heute Menschen mit ihren Hunden spielen.
Ich genoss die Ubahnfahrten, mit Fremden Blickkontakt zu haben oder einfach nur telepathische Gespräche mit meiner besten Freundin über die gutaussehenden Kerle neben uns zu führen.
Es war schön, im Naturkundemusem die immens hohen Dinosauerierskelette zu sehen, und mich in meine Kindheit zurückversetzt zu fühlen, als es immer mein größter Traum war, mal in ein Dinomuseum zu gehen.
Es tat gut, nicht beurteilt zu werden, ein bisschen im Sog der Großtstadt unterzugehen.
Manchmal beängstigten mich Berlin und seine Bewohner auch, während eine Festnahme einer wohl geisteskranken Frau für die Berliner no big deal war, war ich selbst etwas  verunsichert.

Jedoch, um zurück zum eigentlichen Thema zu kommen...
Ich habe oft das Gefühl, dass wir nicht Fernweh haben,
weil uns unser Zuhause langweilt oder wir daraus kurz entschwinden müssen.

Ich bin überzeugt, dass es wir selbst sind,
die uns langweilen und von denen wir Abstand nehmen wollen.
Deshalb verreisen wir, wir wollen einige Zeit
prätendieren, jemand anderes zu sein.
Wir versuchen kurzzeitig unser eigentliches Leben zu vergessen,
doch es wird uns sowieso einholen, sobald wir den Schlüssel
in das Schloss der Wohnungstür stecken, ohne hinzuschauen,
denn man ist diese Bewegung gewohnt.

Vielleicht bin auch nur ich es, die so fühlt.



Bis dann, Berlin.

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